Meine Tipps gegen Flugangst – Part 1

Es ist schon merkwürdig – ich gebe es ja selbst zu.

Ich arbeite jetzt schon seit gut fünf Jahren an einem Flughafen. Die Hälfte der Zeit davon sogar im operativen Bereich. Und ich bin zwar kein Vielflieger, aber ich fliege jetzt auch nicht gerade wenig. Und trotzdem leide ich, wie viele andere Menschen in Deutschland auch, unter Flugangst. Es ist schon etwas besser geworden. Aber manchmal ist es so schlimm, dass man mir nicht mal das Händchen halten kann. Weil es einfach komplett durchgeschwitzt ist. Und das ist nur eines meiner Symptome, wenn es richtig schlimm wird. Darum habe ich mir ein paar Dinge angewöhnt, welche mir während des Fluges helfen.

In diesem Artikel geht es um die unangenehmen Situationen, die beim Fliegen entstehen können und wie ich damit umgehe. Im zweiten Teil der Artikelreihe geht’s dann um konkretere und allgemeinere Tipps.

plane-2356864_960_720

Warum habe ich überhaupt Angst?

So genau kann ich das auch nicht erklären. Ich weiß nur, dass ich als Kind eigentlich ganz gerne geflogen bin. Aber im Laufe der Jahre habe ich meine Angst irgendwie entwickelt. Ich vermute, dass es daran liegt, dass einem als Kind nicht so viele Gefahren bewusst sind. Die Erwachsenen wissen schon wie der Hase läuft und meine Mutter hat beim Fliegen immer Ruhe ausgestrahlt. Also wenn Mama entspannt ist, gibt’s ja keinen Grund Angst zu haben. Aber jetzt sieht man eben die Gefahren selbst und man ist den vermeintlichen Gefahren ausgeliefert. Man gibt die Kontrolle ab. Ich bin zum Beispiel auch ein furchtbarer Beifahrer, weil ich niemandem beim Fahren so vertraue wie mir selbst. Und im Cockpit sitzen Fremde und ich habe keine Ahnung wie die ticken. Ich muss da auch noch lernen loszulassen, aber ich bin auf einem guten Weg. Und wie ich das schaffe zeige ich euch anhand von Problemsituationen für Menschen mit Flugangst und was ich zu mir selbst sage, wenn ich mal wieder eine klitzekleine Panikattacke bekomme.

Probleme bei Flugangst: Turbulenzen

Der Flieger wackelt, die Anschnallzeichen leuchten und man wird von links nach rechts geschleudert. Dabei sind Turbulenzen das kleinste Problem beim Fliegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Turbulenzen eine Maschine zum Abstürzen bringt, tendiert gegen Null. Genau das versuche ich mir immer einzureden. Die Tragflächen können sich mehrere Meter verbiegen und der Maschine macht es nichts aus. Unter Piloten kursiert der Spruch: „Eine Maschine hält mehr aus als die Passagiere“ und aus diesem Grund versucht man frühzeitig Turbulenzen zu umfliegen. Nicht aber, weil es gefährlich ist, sondern weil es einfach angenehmer für die Passagiere ist. Die Crew weiß meistens schon ziemlich früh Bescheid, ob es Turbulenzen geben wird. Es gibt aber leider manchmal auch unvorhersehabare Turbulenzen. Aus diesem Grund ist es wichtig auch im Sitzen immer angeschnallt zu bleiben.

Probleme bei Flugangst: Wolkige Aussichten

Viele Menschen lieben es durch Wolken zu fliegen. „Das sieht so schön nach Zuckerwatte aus!“.  Ich aber bin schon total angespannt, wenn ich die Wolkendecke nur aus der Entfernung sehe, weil ich weiß: gleich wackelt es wieder. Es kann mal besser und mal schlimmer sein, aber am mulmigen Gefühl im Bauch komme ich leider nicht vorbei, wenn ich durch Wolken fliege.  Es wird übrigens immer versucht ein Gewitter zu umfliegen. Auch wenn das nicht mehr möglich ist, wird die Gewitterzelle maximal gestreift – man fliegt aber niemals durch sie hindurch. Ich selbst habe zum Glück noch nie ein Gewitter durchfliegen müssen. Aber auch bei den Wolken gilt das gleiche Prinzip wie bei den Turbulenzen: für den Passagier eine sehr unangenehme Situation, aber absolut ungefährlich.

clouds-1473311_960_720

Probleme bei Flugangst: Vogelschlag

Die Vorstellung, dass ein kleiner Vogel den großen „Vogel“ zu Boden bringt, hat mich so einige unruhige Minuten an Bord gekostet. Dabei ist es so, dass es an jedem Flughafen jemanden geben muss, der Wildlife Management betreibt. Das sind Menschen die darauf achten, dass keine Tiere auf dem Gelände in irgendeiner Weise eine Gefahr für den Flugbetrieb darstellen.  Unter anderem wird eben auch auf Vögel geachtet. Wenn man sieht, dass sich einige Vögel auf dem Gelände befinden, dann versucht man sie so gut es geht zu vertreiben. So viel zur Vorbeugung von Vogelschlag. Sollte es aber dennoch zu einem Vogelschlag, was schon sehr selten passiert,  und dadurch zu einem Triebwerksausfall kommen, ist auch hier die Wahrscheinlichkeit total gering, dass es zu einem Absturz kommt. Die meisten Maschinen können auch mit nur einem funktionierenden Triebwerk sicher landen.

Probleme bei Flugangst:  Start und Landung

Während dem Start und der Landung sehe ich normalerweise so aus: Augen geschlossen oder starr gegen den Sitz gerichtet und die Hände in die Armlehne gekrallt. Ich konzentriere mich auf meine positiven Gedanken – ja das sieht halt so aus! Man sagt beim Fliegen ist die Gefahr am höchsten während des Starts und der Landung. Warum? Beim Start ist vor allem die Nähe zum Boden noch das Problem. Sollte etwas schief gehen, hat man keine Höhe und somit keinen Spielraum bei Schwierigkeiten. Je weiter man sich in der Luft befindet, desto sicherer wird es. Bei der Landung ist es dann so, dass der Pilot die Piste treffen muss und auch richtig aufkommen muss. Während dem Start und der Landung bin ich also immer richtig nervös. Auch 98 % der Vogelschläge passieren bei Starts und Landungen, einfach weil Vögel eben nicht so hoch fliegen wie normalerweise die Reisehöhe ist. AAAABER auch das ist Routine für die Piloten. Ganz schwierige Flughäfen wie beispielsweise Madeira dürfen nur von Piloten angeflogen werden, die das regelmäßig auf dem Flugsimulator trainieren. Also don´t worry – die wissen schon was sie tun!

Probleme bei Flugangst: Kein Vertrauen in die Technik

Alte (Propeller)Maschinen, komische Geräusche, die man nicht zuordnen kann und irgendwie hat man das Gefühl, alles knarzt. Und jetzt mal ganz ehrlich: wie fliegt so ein tonnenschweres Ding überhaupt nur durch das bisschen Physik?

Vor allem bevor ich am Flughafen gearbeitet habe, hatte ich Angst davor. Inzwischen kann ich die meisten Geräusche zu ordnen und kenne die Abläufe der Abfertigung. Ohne das jetzt zu vertiefen: es gibt genügend Menschen die an der Abfertigung beteiligt sind und die Maschine überprüfen. Allein der Pilot macht jedes Mal vor Abflug einen Walk-Around – er läuft also um die Maschine und prüft, ob es sichtbare Schäden gibt. Außerdem werden Maschinen auch regelmäßig gewartet. Vielleicht schreibe ich auch mal einen extra Artikel zu meiner Ausbildung am Flughafen, falls euch das interessiert. Lasst mich das gerne wissen!

Probleme bei Flugangst: Kein Vertrauen in die Crew

Gegen menschliches Versagen kann man natürlich nichts tun. Ich muss auch zugeben, dass ich nach dem Germanwings Absturz im Jahr 2015 ein komisches Gefühl hatte. Ich bin erst ein paar Tage später mit Germanwings nach Spanien geflogen und mich hat der Absturz tatsächlich sehr mitgenommen. Aber von solchen tragischen Einzelfällen darf man sich nicht beeinflussen lassen.
Menschliches Versagen kann man nie ganz ausschließen – da sind wir eben wieder beim Thema Kontrollverlust. Aber dann sage ich mir immer wieder, dass Piloten super ausgebildet werden und man einfach darauf vertrauen muss, dass sie selbst ja auch nach Hause wollen. Kein Pilot wird im Normalfall Passagiere oder sogar sich selbst in Gefahr bringen.

airplane-2230827_960_720

Herzlichen Glückwunsch!

Du hast dir tatsächlich den ersten Teil der Artikelreihe zum Thema Flugangst durchgelesen. Dann frägst du dich jetzt bestimmt, warum ich noch Angst habe, wenn ja alles so total unwahrscheinlich und ach so logisch ist. Nun ja – Angst ist leider ein subjektives Empfinden. Und wenn ich im Flieger sitze und es wieder mal turbulent zugeht, dann erwische ich eine kleine Stimme in mir, die zu mir sagt: „was ist wenn du jetzt genau in der Maschine sitzt, die eben diese Ausnahme in der Statistik ist? Was ist, wenn diese Maschine zu den 0,1 % der Zwischenfälle oder Unglücke gehört?“

Wenn ich so einen negativen Gedanken habe, dann denke ich daran, dass ich jeden Tag aus meinem Bürofenster so viele startende und landende Flugzeuge sehe und nichts passiert. Ich stelle mir vor, dass das ein ganz normaler Job für die Piloten ist, die das alles mit einer gewissen Routine machen und ich mir keine Sorgen machen muss. Also ihr seht: auch bei mir ist das noch total viel Arbeit!

Habt ihr vielleicht auch Flugangst und Lust bei meinem dritten Artikel zu diesem Thema mitzuwirken? Schreib mir einfach eine Nachricht und wir reden über alles Weitere! 🙂

 

vanyvisits

Hallo und Willkommen auf meinem Reiseblog! Mein Name ist Vany und ich reise leidenschaftlich gerne. Egal ob Wanderurlaub in der Heimat oder Actionurlaub bei einer Fernreise - ich bin am liebsten immer unterwegs. Wie ich mein Reisefieber in eine 40 Stundenwoche packe, das zeige ich euch auf meinem Blog. Viel Spaß beim Lesen!

7 thoughts on “Meine Tipps gegen Flugangst – Part 1

  1. Ja, die Angst ist leider nicht rational. Ich glaube oft ist es wirklich vor allem der Kontrollverlust der Angst macht. Alles andere kann man sich erklären und zurecht biegen, aber man könnte ja die Ausnahme sein, das kenne ich nur zu gut! Jetzt bin ich gespannt auf die Tipps 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Großartiges Thema für einen Blogartikel! Früher hatte ich auch immer ein mulmiges Gefühl beim Fliegen, aber Flugangst selbst verspüre ich nicht. Ich habe mittlerweile schon irrsinnig viele Flüge hinter mir und kann die wirklich unangenehmen an einer Hand abzählen. Am schlimmsten finde ich übrigens Turbulenzen, wenn draußen blauer Himmel und keine Wolke zu sehen ist, dann sieht man quasi keinen Grund für die Ruckelpartie. 😉 Durch ein Gewitter bin ich erst einmal direkt geflogen und prompt wurde unser Flugzeug auch vom Blitz getroffen. Dabei war es durch den Blitz draußen kurz hell und der Donner laut, aber im Flugzeug selbst hat man gar nichts gemerkt – kein Ruckeln, kein Lichtflackern. Wenn der Pilot es nicht durchgesagt hätte, wäre es den meisten Passagieren wohl gar nicht aufgefallen. 😀

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s