Costah, Hazul, Berri Blue & Co. – Ich zeige euch Streetart in Porto

Wer schon mal in Lissabon war weiß, dass das DIE Stadt für Streetart schlechthin ist. Aber auch Porto hat in dieser Hinsicht sehr viel zu bieten, wenn die Stadt sich nicht sogar auf dem gleichen Level wie Lissabon bewegt. Denn auch hier wird das Stadtbild maßgeblich von verschiedenen Künstlern der Stadt und der ganzen Welt geprägt. Streetart in Lissabon und Porto unterscheiden sich häufig in der Größe der Bilder. Während in Lissabon viele große Bilder zu finden sind, gibt es in Porto mehrere kleine Kunstwerke. Das und noch viele andere Dinge durfte ich bei einer Streetart Tour durch Porto lernen.

Diese Dinge möchte ich euch nun zeigen und natürlich dürfen dabei auch nicht viele, viele Bilder von Streetart fehlen. Die Tour startet, wie sollte es auch anders sein, in Portos Künstlerviertel an der Bombarda. Hier finden sich verschiedene Gallerien und es ist der perfekte Ausgangspunkt um auf Streetartentdeckungstour zu gehen.

Als ich die Tour los ging, bin ich davon ausgegangen, dass wir hauptsächlich Bilder in Form von Graffiti anschauen würden. Ich sollte vielleicht dazu sagen, dass das meine erste Tour war und ich auch sonst überhaupt keine Kenntnisse in Streetart hatte. Ich fand es immer schön anzusehen, aber was alles dahinter steckt wusste ich nicht.

Unser Guide Joāo hat uns sehr viel erklärt und gezeigt. Vor allem, dass es eben nicht nur auf Bilder ankommt und dass sich Streetart auch in vielen anderen Formen zeigen kann. So zum Beispiel hier:

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In Portugal sind die bunten Azulejos ja sehr bekannt und an so ziemlich jeder Häuserfassade vorzufinden. Es ist das was Portugal in meinen Augen ausmacht und woran ich mit unter als erstes denke. In Porto findet man häufig diese einzelnen Fließen eines bestimmten Künstlers. Er möchte Tradition und Moderne verbinden.

Einen ähnlichen Gedanken hatte wohl auch dieser Künstler:

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Der Künstler verwendet die wohl traditionsreichsten und ältesten materiellen Dinge in Portugal: Kork und Fließen. Beide Materialen haben eine große geschichtliche Bedeutung für Portugal. Die beiden verbindet er mit etwas so Modernen und digitalen wie es nur geht: einem Emoji. Der Künstler möchte darauf hinweisen, dass in einer digitalen Welt, in der wir nun mal leben man den Bezug zu den materiellen Dingen nicht verlieren darf.

Aber auch solchen Aufklebern sollte man hin und wieder Beachtung schenken. Das ist nochmal ein eigenes kleines Universum in der Szene. Viele Künstler gestalten ihre Aufkleber selbst und malen alle einzeln. Andere lassen mehrere auf einmal produzieren und bekleben gefühlt die halbe Stadt.

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So auch der Herr, dessen Gesicht ihr auf dem Bild seht. Er wollte ein Teil der Stadt werden, da Porto ihm selbst auch sehr wichtig ist. Also hat er einfach sein eigenes Gesicht als Aufkleber verwendet und man sieht ihn nun tatsächlich überall in der Stadt verteilt. Er ist also nun ein Teil von Porto – Ziel erreicht. Sein Künstlername ist Peigata. Ihr müsstet ihn in noch vielen weiteren Städten dieser Welt entdecken. Ich finde sein Projekt wirklich spannend.

Kleiner Aufkleber, große (und kritische Bedeutung):

Morto

Der Tourismus in Porto boomt. Leider nicht immer zugunsten der Bewohner der Stadt. Auf diesem Bild seht ihr einen offiziellen Aufkleber der Stadt, der angefertigt wurde als Porto 2017 zur „best European Destination“ gewählt wurde. Darüber seht ihr den Aufkleber mit der Aufschrift „Morto“. Eine Anspielung auf das Wort „gestorben“ oder „tot“ in Verbindung mit Porto. Joāo hat uns das so erklärt, dass die Regierung immer mehr Hotels und Hostels baut oder auch Platz schafft für airbnb Appartements und die Mieten für die Bewohner dadurch immer unbezahlbarer werden. Man schmückt sich also mit Auszeichnungen, aber es ist nicht immer alles Gold was glänzt. Ich finde es total interessant mit wie wenigen Worten man Kritik ausüben kann und wie viel so ein kleiner Aufkleber aussagt.

Aber auch mit großen Bildern kann man große Kritik ausüben. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um eines der bekanntesten Streetart Bildern in ganz Porto.

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Ihr seht, dass das Bild nicht vollendet ist (links). Das ist auch mit Absicht vom Künstler DRAW belassen worden. Damit möchte er die Stadt Porto kritisieren und darauf aufmerksam machen, dass kaputte Sachen, so wie Häuser, repariert werden sollten und nicht maskiert werden – so wie in diesem Fall geschehen.

Das Bild soll ein Willkommensgruß darstellen für alle Menschen die von Vila Gaia über die Brücke Don Luis I. nach Porto laufen.

Ich muss nochmal kurz zu den Aufklebern rüber schwenken: unser Guide Joao hat übrigens auch seine eigenen Aufkleber gestaltet. In Porto kann man sie an manchen Stellen finden. Er macht damit Werbung für seinen Kunstblog. Er hatte einige Aufkleber und alle waren handgemacht und ganz unterschiedlich gestaltet. Ich habe zwei geschenkt bekommen – falls ihr also mal so einen Aufkleber in Stuttgart seht, dann kommt er höchstwahrscheinlich von mir. 🙂

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Mitten während der Tour bat Joāo uns kreativ zu sein. Wir haben von ihm einen leeren Aufkleber und Stifte bekommen und sollten unseren eigenen Aufkleber gestalten und uns in Porto verewigen. Natürlich haben wir mitgemacht und ein Stück von uns in Porto gelassen. Ich habe mich hier verewigt:

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Daraufhin hat Joāo auch seinen Aufkleber dazu geklebt.

Sticker sind sehr beliebt unter Straßenkünstler. Hier herrscht auch eher der Gedanke die Sticker untereinander auszutauschen und zu sammeln oder gegebenenfalls auch selbst weiter zu verbreiten. Es ist ein etwas anderer Spirit, da unter den Kunstwerken an Wänden wirklich oftmals eher ein Wettbewerb herrscht. Also eigentlich eine sehr schöne Sache.

In Porto werdet ihr außerdem auch auf sehr viele Aliens stoßen…

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Überall in der Stadt werdet ihr Kunstwerke von einem Künstler finden, der sich auf Aliens spezialisiert hat. Aber eben nicht nur an Häuserwänden – nein, er verwandelt Dinge der Stadt in Aliens.

Kommen wir zu einem der bekanntesten Streetartkünstler in Porto: Costah. Seine Werke findet man wirklich überall in der Stadt. Ich fand es übrigens wirklich erstaunlich wie ich irgendwann von selbst schon die Werke den verschiedenen Künstlern zu ordnen konnte. Es hat dann richtig Spaß gemacht wieder etwas Neues zu entdecken und zu ordnen zu können. Von Costah ist das linke Bild welches ihr hier unten sehen könnt:

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Das Mädchen auf der rechten Seite stammt von einer Berliner Künstlerin, die von Costah nach Porto eingeladen wurde. Beide Stile sind total unterschiedlich und doch passen sie gut zusammen.  Costah wurde vor allem bekannt durch die Polarbären, die er eine zeitlang gemalt hat. Diese finden sich auch sehr oft in Porto wieder.

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Na erkennt ihr sein Werk?
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Costah zählt zu den einflussreichsten Künstlern der Stadt Porto im Bezug auf Streetart

Vielleicht ist es euch selbst auch schon aufgefallen, wenn ihr mal durch Porto flaniert seid. Falls ihr Porto noch nicht kennt, könnt ihr euch auch gerne meine Bilderreihe zu Porto anschauen, welche ihr hier findet: Eine Reise nach Porto – in Bildern

Jedenfalls ist der Künstler Hazul der Meinung, dass Porto eine sehr maskuline Stadt ist. Sehr geradlinig, wenig Kurven, wenig feminin. Aus diesem Grund möchte er mit seinen Kunstwerken mehr Weiblichkeit in die Stadt bringen. Das möchte er durch die sanften Formen und weichen Farben schaffen.

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Kommen wir zu meiner Lieblingskünstlerin aus Porto: Berri Blue

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Die Künstlerin lebt erst seit einem Jahr in Porto und doch findet man relativ viele Bilder von ihr in den Straßen Portos. Unser Guide hat sie uns als wichtigste und interessanteste Künstlerin Portos vorgestellt. Ihre Bilder sind oft sehr psychedelisch – ich finde das sieht man auch schon auf dem oberen Foto. Aber auch diese Sachen sind von ihr:

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Das schöne an Streetart in Porto: man findet die Kunstwerke nicht nur an Wänden.
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Die blaue Katze, gemalt von Berri Blue

Die Portugiesen sind sehr stolz auf ihre Azulejos – die Fliesen, die man auch überall an den Häuserfassaden wieder findet. Häufig werden sie auch Teil von Streetart, aber nie auf eine

Sehr schön und vor allem wichtig finde ich dieses Projekt:

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Auf diesem Bild seht ihr originale Azulejos einer Hauswand. Leider zerfallen immer mehr Fließen und die Häuserfassaden sehen kaputt aus… Hier wurde ein Projekt ins Leben gerufen, die Häuserfassaden zu reparieren, aber trotzdem zwischen alt und neu zu differenzieren um auf die Missstände was die Restaurierungsarbeiten angeht hinzuweisen. Die Löcher werden gut gefüllt, aber immer so, dass man auch die Risse gut erkennen kann. Damit die Fließen perfekt zugeschnitten werden können bestehen sie aus Holz.  Das lässt sich besser und genauer bearbeiten. Am Ende werden die Fließen mit einem Spruch versehen.

Daran erkennt man auch wieder, dass hinter den meisten Sachen auch wirklich eine Geschichte steckt. Wie auch bei dem nachfolgenden Bild. Da finde ich die Geschichte auch total schön…

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In diesem relativ kleinen Dreieck findet man so etwas, das aussieht wie das Universum. Es soll einen an Ort und Stelle daran erinnern, wie klein man selbst eigentlich auf dieser Welt ist und vielleicht auch wie unbedeutend manche Probleme sind. Und was man mit dem größten Geschenk anfangen will, welches man bekommen hat: sein Leben. Die Künstlerin Marina PTKS hat das Dreieck direkt gegenüber von Ihrem Geburtsort, einem ehemaligen Krankenhaus gemalt. Unglaublich, was man alles in ein Bild hinein interpretieren kann, an dem man sonst vielleicht nur vorbei gelaufen wäre. Alleine schon deshalb hat sich die Streetart Tour in Porto gelohnt.

Die Stadt Porto unterstützt die Straßenkünstler wo es geht. Ich denke in Portugal bzw. Porto hat man verstanden, dass Streetart einfach zum Stadtbild dazu gehört. Also reichen die Künstler ihre Vorschläge bei der Stadt ein und so kann man gemeinsam nach geeigneten Flächen schauen. Leider gibt es immer wieder neue Künstler, die sich unerlaubt an die Arbeit machen um schneller bekannt zu werden. Das ist aber in den Kunstkreisen sehr verpönt. Viele Künstler schließen sich auch zusammen und erschaffen dann gemeinsam etwas Neues. So gibt es beispielsweise die Rua Collectiva, ein Verbund von Künstlern, die unter anderem dieses Bild gemalt haben:

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Aber es gibt natürlich auch die ganz „alten Hasen“ – oder sollte man hier besser Giraffen sagen?

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Diese beiden Giraffen werden euch, wenn ihr aufmerksam seid, auch immer wieder in Porto begegnen. Die Giraffen schmücken Portos Stadtbild schon seit vielen Jahren. Damals waren die beiden Jungs gerade mal 16 Jahre alt, als sie damit anfingen. Heute sind die beiden erwachsen und sind immer noch anerkannte Künstler in Porto.

Für alle, die sich noch mehr für Kunst interessieren, habe ich noch einen kleinen Geheimtipp: einmal im Monat gibt es eine kleine Ausstellung im Becao. Eigentlich ziemlich zentral und doch ganz versteckt, liegt die Gasse mit der Ausstellung. Allein der Weg dorthin und noch weiter ist bereits wie eine eigene Ausstellung. Denn an den Wänden bis zur Ausstellung haben sich die bekanntesten Künstler der Stadt ausgetobt und es ist total schön anzusehen. Die Ausstellung wechselt wie gesagt jeden Monat und hat dann nur an einem Wochenende im Monat geöffnet. Wir hatten Glück, dass wir während der geöffneten Ausstellung gerade in Porto waren. Wenn ihr mit den Künstlern in Kontakt kommen wollt, solltet ihr dort unbedingt mal vorbei schauen.

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Oft sieht Streetart für den Laien auf den ersten Blick aus wie Vandalismus oder Geschmiere. Man sollte sich aber damit auseinander setzen, denn oft erzählen die Bilder eine Geschichte oder die Künstler kommunizieren in einer Art Geheimsprache miteinander. Es war total interessant den Geschichten auf den Grund zu gehen und so mehr über die Stadt Porto und die Streetart Künstler der Stadt zu lernen.

Ich denke ich werde in Zukunft viel genauer auf Streetart schauen und mir auch mal die kleineren Dinge wie Aufkleber genauer anschauen. Denn oft lohnt es sich, sich die Kunstwerke genauer anzuschauen, wie ich jetzt gelernt habe.

Ich hoffe mein Artikel über Streetart in Porto hat euch gefallen! Für mich war die Tour wirklich sehr cool und ich bin glücklich, dass ich sowas mal mitgemacht habe.

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Hallo und Willkommen auf meinem Reiseblog! Mein Name ist Vany und ich reise leidenschaftlich gerne. Egal ob Wanderurlaub in der Heimat oder Actionurlaub bei einer Fernreise - ich bin am liebsten immer unterwegs. Wie ich mein Reisefieber in eine 40 Stundenwoche packe, das zeige ich euch auf meinem Blog. Viel Spaß beim Lesen!

15 thoughts on “Costah, Hazul, Berri Blue & Co. – Ich zeige euch Streetart in Porto

  1. Hach, ich liebe Street Art. In Porto war ich noch nicht, vllt sollte ich das mal ändern wenn ich mir die Fotos so betrachte. Kenne sowas nur aus Miami und der Karibik bisher, dort schaut es ganz ähnlich aus. Ich hab’s leider versäumt immer fotografisch festzuhalten, ein Fehler wie ich langsam merke. Danke für den tollen Artikel und die genialen Fotos.

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  2. Ich war dieses Jahr auf Kreta und konnte dort auch die tolle Streetart bewundern und wie in Porto auch das Problem mit leerstehenden Häusern, unfertigen Neubauten sehen. Es macht traurig, wenn man weiß, dass der Tourismus Fluch und Segen zugleich ist. Wir haben deshalb auch immer in kleinen Tavernen gegessen, um die Einheimischen zu unterstützen!

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  3. Hallo Vany!!

    Wie immer traumhafte Bilder und die Geschichte dahinter gefällt mir fast noch besser! Die Idee sein eigenes Gesicht als Aufkleber zu verwenden werde ich mir merken! Man weiß ja nie, vielleicht bin auch eines Tages überall in der Stadt zu sehen 😀
    Alles Liebe,
    Sani

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  4. Schöner Einblick..
    Ich finde solche Bilder gar nicht mal so schlimm, solange es auch Sinn ergibt und Hübsch aussieht. Aber so mit Stift irgendwas geschrieben wird, finde ich hingegen gar nicht schön und extrem nervig. Bei uns werden sogar Bänke angemalt.
    Die Katze finde ich recht putzig.

    Alles liebe

    Gefällt 1 Person

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